Evangelische Kirche im Süden Anhalts

Jahreslosung 2021

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Lukas 6,36

Andacht

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel. Haggai 1,6

In diesem Monat wird die Wahl zum deutschen Bundestag stattfinden. Drei ernstzunehmende Kandidaten bewerben sich um das Amt des Bundeskanzlers- der Bundeskanzlerin. Viel wichtiger aber, als die Frontfrau / der Frontmann sind die vielen Abgeordnete, welche sich in das höchgste deutsche Parlament wählen lassen wollen. Diese, scheinbar nebensächlichen Personen, Abgeordnete, machen die Politik. Sie entscheiden letztlich! Daher ist es sehr wichtig anzuschauen,: Wen wähle ich da eigentlich in den Bundestag? Ist es der nette Kerl da aus dem Nachbarort, der immer so flotte Sprüche in der Kneipe parat hat, oder Jener, der wirklich Fakten zu sagen hat? Leicht ist es nicht, Abgeordnete o. Abgeordneter zu sein. Leicht ist es aber auch nicht, den geeigneten kandidaten zu finden, denn der steht ja immer auch für eine Partei, also, für eine politische Richtung.
Da beginnt für mich das Problem. Ich habe es für mich so gelöst, dass ich mir die Wahlplakate anschaue und darüber nachdenke. Ok, bei manchen Plakaten muss ich erst gar nicht denken, denn da ist ja nicht mehr drauf als ein Konterfei,ein Name, die Abkürzung einer Partei. Bei anderen Plakaten gibt es mehtr zu bedenken. Vor meinem Haus hängt ein Plakat mit der Aufschrift: " Gerechtigkeit:: "Löhne rauf, Rentenalter runter". Das klingt ganz toll- naja, auf den ersten Blick; aber dann fragte ich mich: Sollen auch die Gehälter von Spitzenmanagern, die der Spitzenfußballer erhöht werden und um wie viel? Die Stunde 1 Euro mehr dürfte da wohl kaum ankommen. Ja, und was passiert mit all Jenen, die erwerbsunfähig, behindert oder arbeitslos sind? Ich erfahre es nicht. Da kann ich gut drüber nachdenken.
Auf einem anderen Plakat las ich: "Kinder sichern die Rente". "Logisch", dachte ich sofort! Allerdings, was passiert, wenn nicht genug Kinder da sind, wenn sie keine Arbeit haben, wenn sie ins Ausland gehen, weil es dort bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für sie gibt? Was, wenn die zukünftigen Generationen gar keine Lust haben, die Rente der "Alten" zu sichern? Befehlen kann man das ja wohl eher kaum. Und Zwangsarbeit?- Ach, lassen wir das lieber...! Also, auch nur ein Luftschloss von Plakattext? Der Prophet Haggai verweist darauf, dass man zwar etwas tun kann, letztlich aber davon keinen Ertrag hat. Ich kann einkaufen gehen. Viele Dinge in meinen Einkaufkorb legen, wenn ich aber an der Kasse feststelle, dass meine Geldbörse daheim auf dem Tisch liegt, war meine Mühe, den Einkaufskorb zu füllen, absolut hinfällig.
Vielleicht ist dafür auch der Afganistan- Einsatz der Nato ein gutes Bild. Am Ende kam nicht bei raus. Keine bleibnenden Errungenschaften von Demokratie und Gleichberechtigung, kein Frieden und erst recht kein Ende des Terrors. Es wird etwas gemacht, aber das Ziel wird nicht erreicht. Es wird viel Geld aufgewandt, machmal auch verschwendet, es wird viel geredet, geplant und gemacht, doch am Ende ist einfach nichts sinnvolles entstanden. Ich denke, ich könnte da allein aus meinem Leben einige Beispiele benennen. Dort, wo ich ganz groß etwas angefangen habe- und am Ende nichts erreicht habe.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass da etwas falsch gelaufen ist, aber was? Soll ich mir eingestehen, dass ich schuld daran sei? Daß ich etwas habe schleifen lassen, dass ich meine Ziele nicht erreicht habe? Ein Glücksfall, wenn man dann einen Sündenbock findet. Jemand, der zwar unschuldig ist, aber der beschuldigt werden kann, dass ich wegen ihm nicht so konnte wie ich wollte. Sündenböcke können Persönen, Begebenheiten oder immer auch gerne das Wetter sein. Glauben tut man mir das ja ohnehin genau so wenig, wie ich denke, dass Wahlplakate die Realität in ein paar Wörtern erfassen können. Was also bleibt am Ende, auf dem Grunde des Glases? Ehrlichkeit sollte da zu finden sein. Ehrliches Eingeständis auch mal Fehler zu machen. Das Eingeständis, daß kein Mensch unfehlbar ist, auch ein Papst nicht!. Am Ende sollte die Erkenntnis stehen, dass ich, dass diese Welt, ohne Gott sich hoffnungslos verirrt und verrennt. Wer die Saat in den Schnee sät, braucht sich nicht zu wundern, wenn er keine Ernte hat. Unser Verstand und unser Glaube sind die wichtigsten Dinge, die wir in unserem Leben benötigen. Den Verstand, um zu erkennen, dass wir nicht alles wissen, nicht alles planen können und daher Gott brauchen und unseren Glauben, der uns dort Hoffnung, Heilung und Vergebung verheißt, wo unser Verstand an seine Grenzen kommt.
Nein, der Haggai macht uns keine Vorwürfe, sondern er berät uns: " Macht es doch anders! Versucht es wenigstens.!" Daß das Leben, durch die Gegenwart Gottes lebenswert werde.

Pfr. Michael Schedler